Bürgermeister Franz X. Heinritzi

Passiv Wohnen – Wohnen mit Zukunft

 

Seit dem Inkrafttreten der Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie im Jahre 1997, wodurch die Weichen für den Liberalisierungsprozess der europäischen Strom- und Gasmärkte gestellt wurden, hat sich für viele Energieversorgungsunternehmen und insbesondere Stadtwerke einiges geändert und es ergeben sich neue Chancen.

Leider verfügen wir in unserer Gemeinde nicht über eine kommunale Energieversorgung und dies wird sich in naher Zukunft auch nicht ändern. Auch anvisierte Beteiligungen an Energieversorgern mit nachwachsenden Rohstoffen sind bisher nicht Zustande gekommen

 

Deshalb konzentrieren wir uns in Bezug auf den gemeindlichen Immobilienbestand voll und ganz auf das Einsparen von Energie.

Nachdem wir bisher jährlich hohe Beträge für die Sanierung und Modernisierung unseres Mietwohnungsbestandes ausgeben haben, ist es uns jetzt gelungen, die grundlegende Totalsanierung eines 8-Familienhauses in Angriff zu nehmen.

Junge Absolventen der Fachhochschule Rosenheim wurden beauftragt, die energetischen Grundlagenermittlungen zu führen. Mit diesem Projekt ermöglichten wir ihnen gleichzeitig die Voraussetzungen für ihre Diplomarbeit.

Zunächst mussten wir uns allerdings die Frage stellen: Abriss und Neubau oder Sanierung im Bestand!

Es gibt immer viele gute Gründe, ein 50 Jahre altes Haus einem Neubau vorzuziehen. Da wäre einmal die gute Lage, die Nähe zu Kindergarten und Schule, auch der besondere Charme und das Ambiente eines solchen Gebäudes müssen berücksichtigt werden. Im Gegenzug ist aber auch zu bedenken, dass ein so altes Gebäude kaum noch den heutigen Wohnbedürfnissen entspricht und einen allzu hohen Energieverbrauch hat.

Um allen diesen Gesichtspunkten gerecht zu werden, haben wir uns entschlossen, eine Generalsanierung zu starten. Mit Ausschlag gebend für diese Entscheidung war auch, dass statische Untersuchungen ergeben hatten, dass eine "Aufstockung" auf 11 Wohnungen möglich ist.

Die Grundlagenplanungen der Fachhochschule konnten wir nun nahezu 1 zu 1 zur weiteren Überplanung an den Architekten und Energieberater Martin Schaub übergeben.

 

Aus bisher nicht mehr nachvollziehbaren Gründen wurde die von den Studenten ursprünglich genannte Kostenschätzung auf 800.000,-- € notiert. Eine genauere Überprüfung ergab dann leider einen Betrag von insgesamt 1.423.304,-- €, der im Marktgemeinderat heftig diskutiert wurde. Verständlich, denn wir bekamen für diese Maßnahme; außer einem geförderten Kredit, keine weiteren Zuschüsse. Nach intensiven Beratungsgesprächen und transparenter Kostenaufstellung wurde aber doch ein einvernehmlicher Beschluss im Marktgemeinderat zur Verwirklichung dieses Projektes mit Modellcharakter gefasst.

Bei der Umsetzung haben wir dann sehr darauf geachtet, dass Ressourcen geschont und weitgehend nur Material verwendet wurde, das bei der Herstellung eine günstige Energiebilanz aufzuweisen hatte.

 

Dankbar waren wir bei diesem Projekt auch unseren Mietern, die die Mühe eines Umzuges in Kauf nahmen und somit zu der sehr kurzen Bauzeit von nur 6 1/2 Monaten beitrugen. In dieser Zeit konnten wir den bestehenden Altbau (EG u. OG) mit einer Niedrigenergiehausausstattung mit Passivhauskomponenten versehen und die Aufstockung in reiner Passivhausqualität gestalten. Wir haben so für unsere Mieter nicht nur einen weitaus höheren Wohnkomfort geschaffen, sondern auch Anregungen zur Nachahmung für ähnlich renovierungsbedürftige Wohnhäuser gegeben.

 

Erwähnenswert ist besonders die harmonische Zusammenarbeit mit den beteiligten Handwerkern, die manches auftretende Problem schnell und effektiv beseitigen half.

Wohnhäuser werden zwar nicht für die Ewigkeit gebaut, aber wir haben hier für mehrere Generationen ein Haus mit hohen Ansprüchen und wenig Energiebedarf in der Zukunft ermöglicht.

 

Franz X. Heinritzi

Erster Bürgermeister

 

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